Hausgemachte Vorspeisen, ein beeindruckender Gyrosspieß und eine Wirtin, die weiß, was ihre Küche kann. Ich besuche das Plaka in Lützenkirchen. Und lerne nebenbei ein wenig Griechisch.
Anfang Oktober. Über Lützenkirchen spannt sich ein Himmel, so blau, als hätte der Sommer seinen Abschied vergessen. Vor dem Plaka leuchten rote Sonnenschirme, Wein rankt sich um die Natursteinfassade. „Das ist ja fast griechisches Wetter. Guten Tag!“, sage ich beim Eintreten. Foteini Velissari begrüßt mich herzlich. Gemeinsam mit Konstantinos Papastergios betreibt sie das Plaka seit 2016.
Ich nehme im Wintergarten Platz und bitte sie um eine Empfehlung. Vorspeise, Hauptgang. Ich habe einiges vor. Sie lächelt verschmitzt. „Warten Sie mal ab.“ Zunächst darf ich einen Blick in die Küche werfen. Es ist noch früh, der Betrieb überschaubar. Mein Weg führt geradewegs zum Gyrosspieß.
Zappalot! Ein mächtiges Gerät, dicht mit Rippchenfleisch geschichtet. Das wird hier jeden Tag frisch aufgesteckt, erklärt Foteini. Auch die Kartoffelscheiben, die später zum Gyros kommen, sind hausgemacht.
Ich kehre mit gesteigertem Appetit an meinen Tisch zurück. Dann serviert Foteini den Vorspeisenteller. Eine kleine griechische Versammlung: Warmes Kartoffelpüree, Rote-Bete-Salat, Taramas, dicke Bohnen in Sauce, Auberginen im zarten Teigmantel mit Senfsauce, ein kleines Suzuki und Tsatsiki.
„Probieren Sie die Gigantes!“ Das muss Foteini mir nicht zweimal sagen. Dicke Bohnen gehören zu meinen Lieblingsspeisen beim Griechen. Hier sind sie weich, aber nicht zerfallen, und von einer herzhaften Sauce umgeben, die ich am liebsten bis auf den letzten Rest auftunken möchte. Die Auberginen haben einen hauchdünnen Teigmantel, der beim Hineinbeißen leicht knuspert, bevor das weiche Gemüse zum Vorschein kommt. Das Taramas ist cremig, der Rote-Bete-Salat bringt eine erdige Note ins Spiel. Und zwischendurch immer wieder eine Gabel von den Gigantes.
Ein Teller, bei dem man von allem noch ein bisschen möchte. Dazu ein Weizenbier. Die griechische Weinkultur möge es mir nachsehen. Eigentlich könnte ich jetzt schon zufrieden sein. Aber ich habe noch eine Verabredung. Mit dem Gyrosspieß.
Foteini serviert eine stattliche Portion Gyros, reichlich Zwiebeln und hausgemachte Kartoffelchips. Etwas Tsatsiki habe ich mir vom Vorspeisenteller aufgehoben. Vorausschauendes Handeln ist nicht nur bei Essen von Vorteil.
Das Gyros hält, was der Anblick in der Küche versprochen hat. Außen kräftig gebräunt, mit unverkennbaren Röstaromen, innen saftig und von feinen Fettadern durchzogen. Genau dieses Zusammenspiel macht den Reiz aus: knusprige Ränder, zartes Fleisch, kräftiger Geschmack.
Die Kartoffelchips sind dünn, knusprig und herzhaft. Keine Beilage, die nur den Teller füllen soll. Und das Tsatsiki schmeckt so, wie ich es mag: cremig, mit einer deutlich wahrnehmbaren Quarknote und Gurkenstückchen, die noch Biss haben. Ein Stück Gyros, etwas Zwiebel, ein Klecks Tsatsiki. Dann eine Kartoffelscheibe. Manchmal ist gutes Essen erfreulich unkompliziert.
Während ich esse, füllt sich das Plaka. Gäste kommen herein, werden mit großer Herzlichkeit begrüßt. Manche offenbar alte Bekannte. Die Wiedersehensfreude ist nicht zu überhören. Hier geht es lebhaft zu, ohne dass man sich als Fremder fremd fühlt.
Und Foteini gibt mir nebenbei eine kleine Griechischstunde. Mir fällt auf, dass Foteini Gyros mit einem weichen J ausspricht. Bei den Gigantes höre ich es wieder: „Jigantes“. Wir scherzen ein wenig darüber. Seit Jahrzehnten bestelle ich beim Griechen. Und jetzt bekomme ich auch noch Nachhilfe in der Aussprache.
Wieder etwas gelernt. Darauf einen Ouzo. Yamas! Und zum Abschied sagt Foteini: „Adio!“ Das verstehe sogar ich.
Draußen ist der Himmel noch immer blau. Ich ziehe von dannen. Den Geschmack eines Vorspeisentellers voller kleiner Entdeckungen und eines saftigen Gyros noch auf der Zunge. Mehr braucht es heute Abend nicht.


