• Taschenputtel

    DIE TASCHENMANUFAKTUR

    Wie oft bin ich schon an diesem Ladenlokal in der Neuen Bahnstadt Opladen vorbeigelaufen. Und dann entdecke ich in den Fensterauslagen zwischen Taschen, Rucksäcken und Gürteln eine kleine Schlüsseltasche. So etwas möchte ich haben. Also nichts wie rein in das schön ausgestattete Geschäft. Hier sieht es nach Arbeit aus. Schneiderpuppen und mehrere Nähmaschinen. Ich äußere meinen Wunsch. „Wir führen nur Unikate“, begrüßt mich die Inhaberin Sabine Strippel. „Schauen wir doch mal, was ich gerade an Täschchen im Angebot habe.“ Aller guten Dinge sind drei, diese Exemplare liegen vor mir und strahlen mich an. Das Design und die Farbauswahl sind jedoch sehr weiblich. Das äußere ich auch so. „Kein Problem, nähen Sie sich doch ein Unikat, ich helfe Ihnen dabei. Dann haben Sie genau das, was zu Ihnen passt.“ Männer und Nähen, das kam mir bisher so vor wie Fische und Fahrradfahren. Ich lasse mich aber auf das Abenteuer ein und melde mich zu einem der Workshops an, die Sabine Strippel regelmäßig in ihrem Geschäft gibt, das sowieso mehr wie ein Atelier wirkt. Gesagt getan.

    An einem Freitagnachmittag trete ich zur Näh-Premiere bei Taschenputtel an. Ich werde eine Schlüsseltasche nähen. Es liegt bereits eine Vorauswahl an Materialien auf dem Schneidetisch. Genau mein Geschmack. Ich entscheide mich für Lammleder, aquamarinfarbenes Futter. Danach geht es daran, das Material mit Silberstift und Schablone zu markieren und auszuschneiden. So eine Lederschere hätte ich auch gerne zuhause, die geht wie Butter durch die gegerbte Lammhaut. „Das Leder beziehe ich aus dem Ruhrgebiet und achte darauf, dass es chromfrei ist.“ Und schon sitze ich an einer guten alten Pfaff. „Die habe ich mir von meinem ersten Lehrlingsgehalt gekauft“, bemerkt die Chefin. „Die genügt immer noch professionellen Ansprüchen.“ Los geht´s und schon steigt der Blutdruck ein wenig. „Ganz ruhig, oben führen Sie den Stoff nur ganz leicht und unten geben Sie ein wenig Gas.“ Ich trete sehr sachte auf das Pedal. Nach den ersten Probestichen an Stoffresten geht es auch schon weiter. Tatsächlich vernähe ich das Leder und das Futter zu einer Tasche. Eingearbeitet wird noch ein Lederband und ein Label, in das wir vorher meine Initialen gepunzt haben. Fertig ist das Unikat!

    Ganz ehrlich, meine Lehrmeisterin Sabine Strippel legt wirklich Geduld und Geschick im Umgang mit einem Unwissenden wie mir an den Tag. So gut betreut kann das Werkstück nur gelingen. Ich bin ein wenig stolz auf mich. „Haben Sie denn viele Männer in Ihren Workshops?“ „Ich hoffe, Ihrem Beispiel werden noch so einige folgen.“ Ob m, w oder d, Nähen bei Taschenputtel macht Spaß und am Ende steht garantiert ein individuelles Produkt. „Massenware gibt es viel zu viele, kreieren Sie Ihren eigenen Style.“  Klappt, nur gewusst wie.

    ADRESSE

    Bahnstadtchaussee 6
    51379 Leverkusen
    Tel. 02171 7999868