Obstgut Morsbroich, Alkenrath

ALTE OBSTSORTEN FRISCH GEPFLÜCKT

Eben noch auf der vierspurigen Ausfallstraße Richtung Schlebusch unterwegs, finde ich mich nach dem Abzweig zum Schloss Morsbroich plötzlich in einer ganz eigenen Welt wieder. Vis-à-vis vom Schlossgraben und den alten Remisen führt der Weg zum Hofladen des Obstguts Morsbroich – einer Genuss-Oase, umgeben von Obstbäumen und Gemüsefeldern.

Bevor ich den Laden betrete, linse ich um die Ecke. Dort, hinter dem Zaun, steht die Alpakagang. Karlchen und zwei seiner flauschigen Verwandten sehen mich neugierig an. Die Tiere sind so drollig, dass man unweigerlich lächelt – ein kurzer Moment, in dem die Hektik der Stadt abfällt.

Mit bester Laune trete ich in den Hofladen. Hier duftet es nach Äpfeln, Holz und frischem Gemüse. Was wollte ich gleich noch? Ach ja: die alten Apfelsorten probieren, frisch aus der eigenen Ernte. Nicht zuletzt, weil sie selbst für Allergiker wie mich gut verträglich sind.

Die Auswahl ist beeindruckend: Jonagold, Kaiser Wilhelm, Rubinette, Wellant – und das sind nur einige der über 30 Sorten, die Familie Müller hier anbaut. Ich beginne mit dem Jona. Schon beim ersten Biss: vollmundige Süße, saftiges, knackiges Fruchtfleisch, ein Apfel, der an Spätsommer erinnert. Und dabei ist die grüngelbe Schale noch wunderschön rot geflammt – ein Genuss für Augen und Gaumen.

Dann der Kaiser Wilhelm – eine Sorte aus dem frühen 19. Jahrhundert, benannt nach dem deutschen Kaiser. Etwas weniger knackig, dafür mit einer feinen Himbeernote, die mich sofort einfängt. Und das mir, der Himbeeren so liebt! Was soll ich sagen: Das wird mein Lieblingsapfel. Ich decke mich gleich mit einem kleinen Vorrat ein.

Rubinette und Wellant zeigen sich ebenfalls von ihrer besten Seite: süßlich-würzig, ausgewogen, mit Charakter. Aber heute bin ich Team Süß –Kaiser Wilhelm und Jonagold machen das Rennen.

Inmitten der Apfelauslage fällt mein Blick auf ein handgeschriebenes Schiefertäfelchen: „Brotdosen-Birnen“. Das macht mich richtig melancholisch. Merle Müller, die Inhaberin, lacht, als ich nachfrage. „Eigentlich heißt die Sorte Tiger Beauty“, erzählt sie, „aber das klang uns zu sperrig. Also haben mein Mann und ich sie kurzerhand umgetauft – Brotdosen-Birne spricht unsere Kunden eher an.“

Ich nicke und koste eine – und bin überrascht. Der Geschmack ist, ja, richtig birnig. Keine übertriebene Süße, kein flacher Zuckerton, sondern eine feine, natürliche Aromatik. Das Fruchtfleisch ist fest, saftig, erfrischend – eine Birne, die schmeckt wie früher. Auch sie, erklärt Merle Müller, ist für Allergiker gut verträglich.

Draußen blinzelt die Sonne durch die Bäume, ein paar Kunden auf dem Fahrrad rollen auf den Hof, und aus der Ferne klingt das ferne Brummen eines Traktors. Es könnte auch ein anfahrender LKW auf der Heinrich-Lübke-Straße sein.

Ach, bevor ich es vergesse: Der Hofladen hält auch eine ausgezeichnete Auswahl an selbstgezogenem Gemüse sowie Fisch, Fleisch und anderen Spezialitäten aus der Region vor. Ein Besuch lohnt sich alle mal.

Hendrik Neubauer

Auerweg 2
51377 Leverkusen

Tel. 0214 54100

Obstgut Morsbroich

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