Das Blumencafé
Wer öfter die Einfallschneise von Bergisch Neukirchen nach Opladen hinunter cruist, dem empfehle ich zukünftig einen Stopp. Gegenüber des Friedhofs befindet sich jetzt ein Blumencafé – hier arbeiten Il Caffè und Maxime Home unter einem Dach.
Ist das gusseiserne Tor geöffnet, so hat auch der Laden geöffnet. So steht es draußen angeschlagen. Es ist Samstagvormittag, die Sonne scheint, und die Terrasse im Vorgarten ist bereits gut gefüllt. Was für eine mediterrane Idylle. Blumen, Pflanzen und Mobiliar ergänzen sich zu einem wunderbaren Garten. Ich gehe aber erst einmal an den Tresen des Il Caffè und werde von Roger Logmanieh begrüßt. „Caffè?“ Wie in Italien üblich: Wer Caffè sagt, meint Espresso. Den bestelle ich auch erst einmal und werde von Inga Hopp, der Inhaberin von Maxime Home, begrüßt. Sie bietet hier seit 2025 täglich frische Blumen an.
Ich schaue mich um, und dabei betört mich allein schon der Duft der Blumen und der Kaffeezubereitung. Alsbald halte ich meinen Espresso in der Hand – und der ist schon mal richtig gut. Tolle Crema, und die Würze schmeichelt dem Gaumen: ein gelungener Auftakt. Ich schaue mich weiter um. Neben der floristischen Frischware gibt es in den Ecken und Regalen beeindruckende Keramik und einige Home-Textilien wie Kissen zu entdecken.
Ich bekomme bei meinem Rundgang mit, dass viele Kund*innen erst einmal Caffè e Dolci ordern, um dann Blumen zu kaufen. Das ist ansteckend. Beraten von Inga Hopp entscheide ich mich für Flieder – nichts Protziges, etwas Beiläufiges. Das zaubert unaufgeregt Frische ins Daheim. Okay, ich bin mittendrin: Dieses Geschäftskonzept erklärt sich von selbst. „Wir ergänzen uns wunderbar“, erklärt Roger Logmanieh, der erst seit März 2026 hier seinen Kaffeeposten bezogen hat. „Insofern können wir also durchaus von einer Neueröffnung sprechen“, ruft Inga Hopp dazwischen.
Ich widme mich als Nächstes der Kuchentheke. Ich brauche Beratung. Roger erklärt mir, dass das meiste seiner süßen Auslage aus einer sizilianischen Bäckerei in Köln stammt. „Schon gefrühstückt?“ Nein, ich habe Hunger. „Dann empfehle ich ein Pasticciotto mit Crema Siciliana. Delikat und ganz schön mächtig – da kannst Du das Mittagessen gleich ausfallen lassen.“ Ich halte das für eine gute Idee, kann es aber nicht lassen, mir noch ein Paste di Mandorla zu bestellen – mit Zartbitterschokolade. Und als Krönung bekommt jeder Gast noch ein kleines Stück Zitronenkuchen zu jeder Kaffeespezialität.
Ich wähle einen Caffè Latte, den Roger aus zwei doppelten Espresso zubereitet. Veredelt wird das in meinem Fall noch von einer speziellen Hafermilch. Minor Figures ist die ultimative Wahl für jeden Barista, der eine pflanzliche Alternative zur Milch sucht. Wer Kuhmilch bevorzugt – selbstverständlich ist auch die im Ausschank. Apropos, neben den üblichen Softdrinks gibt es hier auch eine vorzügliche französische Limonade.
Auf der Terrasse. In der Sonne. Ich lasse die Sonnenbrille mal stecken. Ich will meinen Blick schweifen lassen und den grünen Raum auf mich wirken lassen. Roger Logmanieh serviert mir den „Süßkram“ und das Heißgetränk. Ich bin hin und weg. Das kleine Stück Zitronenkuchen ist mit Basilikumöl veredelt. Das fetzt, Leute, ehrlich. Und das Schiffchen aus Mürbeteig, das Pasticciotto, tuckert Stück für Stück in meinen Mund. Die Crema Siciliana hat eine feinsüße Schwere, und zwischendurch beiße ich auch noch in das Paste di Mandorla.
Doch was wäre das alles ohne den Caffè Latte: karamellfarbener Schaum und charaktervoller Kaffeegeschmack, abgerundet durch die Hafermilch, die ich mir wirklich merken werde – Minor Figures.
Ich blicke auf die Uhr. Ich bin erschrocken. Termine. Ich habe die Zeit vergessen. Das fühlt sich gut an. Im gleichen Moment freue ich mich auf meinen Flieder. Inga Hopp hat diesen ganz unaufgeregt gebunden, mit ein wenig Grün aufgerüscht – und fertig.
Auch wenn der Abschied schwerfällt: Il Caffè x Maxime Home liegt ja auf dem Weg. Allora. Bis bald.
Hendrik Neubauer
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